Ursula Meseberg

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Scrum – oder von der Schwierigkeit, ein stummes Hühnchen zu sein

Written by Ursula Meseberg on 4/11/2008 4:14:00 PM

Die Einladung kam zwischen Tür und Angel: „Übermorgen machen wir unser erstes Sprint Review Meeting nach Scrum. Wenn du Lust hast, kannst du dabei sein.“

Klar, hatte ich Lust. Scrum begegnet man ja jetzt überall. Unsere Berater berichten sogar – sorry, liebe Scrum-Puristen – von Nachfrage nach Tool-Unterstützung für Scrum. Dazu hat Thomas Klingenberg, der die Entwicklung des Projektmanagement-Tools in-Step leitet, eine klare Haltung: Bevor wir eine Scrum-Edition von in-Step bauen, brauchen wir Anwendungserfahrung. Also hat er kurzerhand Scrum in einem Projekt eingeführt.

Für das erste Sprint Review Meeting wollte ich „methodisch“ fit sein. Viel Zeit war nicht. Deshalb also erstmal mit dem Stichwort Scrum zu Wikipdia. Dann googeln. Dabei bin ich auf Videos mit den Scrum-Vätern Ken Schwaber und Jeff Sutherland gestoßen: Scrum et al. und
Scrum Tuning: Lessons learned from Scrum implementation at Google. Gerade letzteres fand ich sehr hilfreich.

Bei Jeff Sutherland habe ich gelernt, dass ich im Sprint Review ein „Chicken“ bin. So werden diejenigen genannt, die am Projekt interessiert, aber an Umsetzung und Projektrisiko nicht direkt beteiligt sind. Die Beteiligten müssen sich die Bezeichnung „Pigs“ gefallen lassen.

Also auf zum Sprint Review. Dort werden wir Chickens mit dem Hinweis begrüßt: „Ihr dürft ruhig etwas sagen.“ Nett. Doch anfangs traue ich mich nicht, das Team bei der Vorstellung der Features, die es im Sprint realisiert hat, zu unterbrechen. Diese Zurückhaltung wird aber immer schwieriger: Hier vermisse ich eine Funktion, dort finde ich manches umständlich oder falsch. Und das platzt dann auch heraus. Die Diskussion zwischen Chickens und dem Product-Owner, die dann entsteht, irritiert das Team, sprengt den Zeitrahmen und bringt nichts.

Meine Erkenntnis daraus: Scrum ist genau das, was es sein will: ein Projektmanagement-Framework, das spezifisch ausgeprägt werden muss. Dazu gehören Spielregeln. Unsere Spielregeln für Sprint Reviews lauten in Zukunft:

  • Chickens dürfen Verständnisfragen stellen – ohne Kritik durch die Hintertür!
  • Chickens dürfen keine Diskussion über die Lösung anstoßen.
  • Chickens bekommen Gelegenheit, Kritik, Bedenken und Anregungen nach dem Sprint Review mit dem Produkt-Owner zu diskutieren.

Trotzdem: Die Teilnahme an Sprint Reviews ist für mich ein Gewinn: Ich bekomme so fürs Marketing viel früher Input aus der Entwicklung. Ich freue mich auf das nächste Sprint Review Meeting!

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Comments

Gernot Glawe , Website: http://www.cs-consulting.de/

29.04.2008 14:04

Die Pigs geben Fleisch und lassen also ihr Leben, daher sind sie unmittelbar beteiligt.
Die Chickens legen nur die Eier, bleiben also am Leben.

Lange Diskussionen gehören nicht ins Scrum Meeting, sonst leidet die Agilität, sprich die Dynamik.

Stefan Edlich , Website: http://prof.tfh-berlin.de/edlich

30.04.2008 09:50

Hallo,

guter Blog.
Was ich nur nicht verstehe ist: die beiden Linkadressen zu den Videos sind identisch?!

MfG
Stefan Edlich

Ursula Meseberg , Website: http://www.microtool.de/

30.04.2008 10:59

Hallo Herr Edlich,

danke für den Hinweis. Die Links der Filmtipps sind jetzt repariert.

Übrigens: Ich finde gerade den Film Scrum Tuning sehr gut, weil er auf Aspekte wie die Skalierbarkeit von Scrum eingeht.

MfG
Ursula Meseberg

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